Dieser Mythos ist falsch!


Der Gedanke, Schlaf einfach nachholen zu können, ist verlockend, doch er hält wissenschaftlichen Überprüfungen nicht stand. Historisch betrachtet konnten Menschen, die in der Wildnis lebten, oft nur unterbrochen oder gar nicht schlafen, was sie kurzfristig an den Schlafmangel anpasste (1). Unsere Vorfahren lebten jedoch unter anderen Bedingungen und starben deutlich früher. Aus heutiger Perspektive zeigt die Forschung, dass verlorener Schlaf nicht vollständig aufgeholt werden kann. Defizite, die durch Schlafmangel entstehen, wie eingeschränkte kognitive Leistung und geschwächtes Immunsystem, bleiben bestehen und lassen sich rückwirkend nicht ausgleichen (2).


Ein gewisser Ausgleich ist jedoch möglich: Eine erholsamere Nacht oder ein Mittagsschlaf können kurzfristig die Schlafqualität steigern. Studien deuten auch darauf hin, dass längerer Schlaf am Wochenende die Auswirkungen einer arbeitsreichen Woche teilweise mildern könnte (3). Dennoch bleibt unklar, ob Schlafdefizite tatsächlich vollständig aufgefangen werden können. Auch "Vorschlafen", um künftigen Schlafmangel zu vermeiden, ist nicht wirksam (1). 


Ruhephasen im Wachzustand, wie sie manche als Ersatz für Schlaf nutzen, können zwar kurzfristig erholsam wirken, ersetzen aber weder die geistige Regeneration noch die physiologischen Prozesse, die im Schlaf stattfinden. Vor allem der Tiefschlaf ist unverzichtbar für die Erholung des Gehirns (4). Daher bleibt klar: Schlaf ist einzigartig und unverzichtbar – weder aufzuholen noch zu ersetzen.

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Quellen:

  1. Weeß H-G. Schlaf wirkt Wunder: Alles über das wichtigste Drittel unseres Lebens  Jetzt als Taschenbuch: das Drei-Wochen-Programm für guten Schlaf: Droemer eBook; 2018.
  2. Walker M. Das große Buch vom Schlaf: Die enorme Bedeutung des Schlafs-Beste Vorbeugung gegen Alzheimer, Krebs, Herzinfarkt und vieles mehr: Goldmann Verlag; 2018.
  3. Akerstedt T, Ghilotti F, Grotta A, Zhao H, Adami HO, Trolle-Lagerros Y, et al. Sleep duration and mortality - Does weekend sleep matter? J Sleep Res. 2019;28(1):e12712.
  4. Nissen C, Piosczyk H, Holz J, Maier JG, Frase L, Sterr A, et al. Sleep is more than rest for plasticity in the human cortex. Sleep. 2021;44(3).