Die Männergrippe ist teilweise echt!
Hinter diesem populären Bild verbirgt sich eine komplexere Realität. Wissenschaftliche Untersuchungen weisen darauf hin, dass Infektionen bei Männern und Frauen tatsächlich unterschiedlich verlaufen können. Biologische Faktoren wie Unterschiede im Immunsystem sowie hormonelle Einflüsse spielen dabei eine wichtige Rolle. Gleichzeitig zeigen moderne Studiendaten, dass Männer nicht grundsätzlich empfindlicher reagieren als Frauen.
Der Begriff „Männergrippe“ beschreibt die verbreitete Annahme, dass Männer Erkältungen stärker empfinden und ausgeprägter darauf reagieren als Frauen. Tatsächlich wird gezeigt, dass Männer Infektionen teilweise schwerer durchlaufen können und häufiger stärkere Symptome entwickeln, was sowohl biologische als auch lebensstilbezogene Gründe hat (1). Männer weisen im Durchschnitt eine schwächere Immunantwort auf, da bestimmte Geschlechtshormone, insbesondere Testosteron, immunhemmend wirken und die Abwehrreaktionen verlangsamen können (1)(2)(5). Gleichzeitig leben Männer oft ungesünder – sie rauchen häufiger, trinken mehr Alkohol, ernähren sich einseitiger, bewegen sich weniger und sind stärker gestresst. Diese Faktoren, in Verbindung mit geringerer Gesundheitsvorsorge, können die Anfälligkeit für Atemwegsinfekte erhöhen und zu schwereren Verläufen beitragen (1)(2).
Hormone beeinflussen das Immunsystem. Auch immunologische Forschungsergebnisse zeigen, dass weibliche Immunzellen häufig schneller und effektiver auf Erreger reagieren. In experimentellen und epidemiologischen Auswertungen wird beschrieben, dass Männer bei verschiedenen viralen Infekten, darunter auch Influenza, häufiger stärkere oder länger andauernde Symptome aufweisen als Frauen (5). Diese Unterschiede werden vor allem auf hormonelle Einflüsse und genetische Faktoren zurückgeführt, die in mehreren Studien beschrieben werden (5).
Demgegenüber zeigte eine klinische Untersuchung mit Patientinnen und Patienten, die wegen akuter Infektionen der oberen Atemwege behandelt wurden, dass Männer zu Krankheitsbeginn nicht über stärkere Beschwerden verfügten als Frauen und im ärztlichen Befund keine ausgeprägten Unterschiede festgestellt werden konnten (4). Frauen berichteten subjektiv teilweise sogar stärkere Beschwerden, erholten sich jedoch im Verlauf etwas schneller, während Männer ein etwas langsameres Abklingen der Symptome zeigten (4). Auf Basis dieser Ergebnisse wird betont, dass die Vorstellung, Männer würden grundsätzlich übertreiben oder empfindlicher reagieren, wissenschaftlich nicht haltbar ist (4)(3).
Zusammengefasst zeigen die vorhandenen Quellen, dass Männer aufgrund hormoneller und immunologischer Unterschiede teilweise anfälliger für Infekte sein können und Erkrankungen bei ihnen gelegentlich länger andauern.
(1) Barmer (2025). Männergrippe: Gibt es sie wirklich? Und leiden Männer tatsächlich mehr? https://www.barmer.de/gesundheit-verstehen/mensch/ungleichbehandlung/maennergrippe-1072110
(2) Fachärzte Zentrum München (2024). Männergrippe – Mythos oder Wirklichkeit? https://www.fachaerzte-muenchen.com/news/detail/maennergrippe-mythos-oder-wirklichkeit
(3) Erich, Nils (2023). Neue Studie: Warum die „Männergrippe“ Unfug ist. GEO. https://www.geo.de/wissen/gesundheit/neue-studie-entlarvt-maennergrippe-als-mythos-33071228.html
(4) Riedl, D., Labek, K., Gottfried, T., Innerhofer, V., et al. (2022). Man flu is not a thing – Gender-specific secondary analysis of a prospective randomized-controlled trial for acute rhinosinusitis. Journal of Psychosomatic Research, 163, 111047. https://doi.org/10.1016/j.jpsychores.2022.111047
(5) Müller, T. (2018). Sind Frauen schuld an der „Männergrippe“? CME, 15, 26–27. https://doi.org/10.1007/s11298-018-6482-y

